Confluence und Jira werden wir bald nicht mehr brauchen
Eine These zur Werkzeuglandschaft der Wissensarbeit – und was übrig bleibt, wenn die Übersetzung wegfällt.
Schritt 1: Account anlegen
Schritt 2: Rechte zuweisen
Schritt 3: … (Rest veraltet)
Ich habe vor einem halben Jahr in einem Interview gesagt: Confluence und Jira werden wir bald nicht mehr brauchen. Oder wenn, dann nur, damit man was Schönes zu lesen hat. Seitdem löst kein Satz in meinen Gesprächen mehr Widerspruch aus – und keiner mehr Nachfragen. Hier, warum ich es trotzdem glaube.
Confluence + Jira
Übersetzungsschicht zwischen Menschen. Jemand schreibt etwas auf, jemand anders liest es Wochen später. Die Hälfte rostet, die andere wird nie wieder angefasst.
KI-System
Liest, was es braucht, in dem Moment, in dem es es braucht. Vergisst nichts. Aktualisiert sich beim Lesen. Hat das Ticket gar nicht erst gebraucht.
Was die beiden eigentlich sind
Beide Tools haben dieselbe Grundfunktion: Sie sind Übersetzungsschichten zwischen Menschen. Ein Konzept, eine Entscheidung, eine Aufgabe wird so abgelegt, dass jemand anderes sie später lesen, verstehen und weiterführen kann.
Wir tun das, weil Menschen vergessen. Weil Menschen nicht rund um die Uhr verfügbar sind. Weil Wissen versickert, wenn es niemand festhält. Confluence ist der Ablageort für „wie wir das machen”. Jira ist der Ablageort für „was wir gerade machen und wer dran ist”.
Das alles ist ehrenwert. Es ist auch tausende Stunden teurer, als die meisten zugeben. Denn schauen Sie an, was in echten Spaces wirklich steht:
Diese Schicht kostet nicht nur Speicherplatz, sie kostet Zeit. Schauen Sie, wohin eine durchschnittliche Arbeitswoche im Wissensbetrieb fließt:
Wir wissen das. Wir machen es trotzdem – weil die Alternative, nichts festzuhalten, schlechter wäre.
Warum die Schicht dünner wird
Ein KI-System, das Code schreibt, braucht Confluence nicht in der heutigen Form. Es braucht den Code, die Architektur, die Datenmodelle, die laufenden Tests. Ein KI-System, das Aufgaben koordiniert, braucht kein Ticket mit Story Points und Sprints. Es braucht die Information, was getan werden muss, in einer Form, die das System versteht – nicht der Mensch.
Das heißt nicht, dass alles weg ist. Es heißt: weniger Tickets, weniger Wiki-Seiten, weniger Übersetzungsarbeit zwischen was wir wollen und was wir tun.
Ein dünner Layer für Menschen, die einen Überblick wollen. Den Rest pflegt das System.
Diese Verschiebung ist nicht neu. Wir haben die Art, wie wir Wissen festhalten, schon dreimal gewechselt:
Was wegfällt, ist der größte Teil: die täglich tausendfache Übersetzung zwischen menschlichem Denken und gemeinsamer Arbeitsfortführung.
Wenn Sie eine Organisation aufgebaut haben, in der Confluence und Jira die zentrale Wissens- und Steuerungsschicht sind, ist diese These ein Angriff auf die Architektur Ihrer Zusammenarbeit. Das ist kein Vorwurf. Es ist die Beobachtung, dass diese Architektur in den nächsten Jahren nicht mehr nötig sein wird – und dass die Organisationen, die das früh akzeptieren, einen Vorteil bekommen.