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Confluence und Jira werden wir bald nicht mehr brauchen

Eine These zur Werkzeuglandschaft der Wissensarbeit – und was übrig bleibt, wenn die Übersetzung wegfällt.

Wiki · Onboarding-Prozess
Onboarding-Prozess
Letzte Bearbeitung vor 2 Jahren · 3 Views

Schritt 1: Account anlegen

Schritt 2: Rechte zuweisen

Schritt 3: … (Rest veraltet)

KI-System
Wie funktioniert das Onboarding?
Aus den letzten sechs echten Account-Anlagen synthetisiert: Account, Rechte, Mailverteiler, VPN-Zugang. Stand von heute früh.

Ich habe vor einem halben Jahr in einem Interview gesagt: Confluence und Jira werden wir bald nicht mehr brauchen. Oder wenn, dann nur, damit man was Schönes zu lesen hat. Seitdem löst kein Satz in meinen Gesprächen mehr Widerspruch aus – und keiner mehr Nachfragen. Hier, warum ich es trotzdem glaube.

Heute

Confluence + Jira

Übersetzungsschicht zwischen Menschen. Jemand schreibt etwas auf, jemand anders liest es Wochen später. Die Hälfte rostet, die andere wird nie wieder angefasst.

Mensch zu Mensch
Übersetzung
Morgen

KI-System

Liest, was es braucht, in dem Moment, in dem es es braucht. Vergisst nichts. Aktualisiert sich beim Lesen. Hat das Ticket gar nicht erst gebraucht.

System direkt
01

Was die beiden eigentlich sind

Beide Tools haben dieselbe Grundfunktion: Sie sind Übersetzungsschichten zwischen Menschen. Ein Konzept, eine Entscheidung, eine Aufgabe wird so abgelegt, dass jemand anderes sie später lesen, verstehen und weiterführen kann.

Wir tun das, weil Menschen vergessen. Weil Menschen nicht rund um die Uhr verfügbar sind. Weil Wissen versickert, wenn es niemand festhält. Confluence ist der Ablageort für „wie wir das machen”. Jira ist der Ablageort für „was wir gerade machen und wer dran ist”.

Das alles ist ehrenwert. Es ist auch tausende Stunden teurer, als die meisten zugeben. Denn schauen Sie an, was in echten Spaces wirklich steht:

Texte, die jemand vor zwei Jahren geschrieben hat und die heute nicht mehr stimmen.
Diagramme, die jemand für einen Workshop gebaut hat und die danach niemand mehr angeschaut hat.
Tickets, die niemand jemals abarbeitet, weil sich die Prioritäten verschoben haben.

Diese Schicht kostet nicht nur Speicherplatz, sie kostet Zeit. Schauen Sie, wohin eine durchschnittliche Arbeitswoche im Wissensbetrieb fließt:

Wo geht die Arbeitswoche hin?
Eine Arbeitswoche
40 Stunden
Meetings & Abstimmung
26%
Status & Reporting
18%
Doku pflegen & suchen
18%
Warten & Kontextwechsel
18%
Echte Arbeit
20%
Schätzung, Wissensbetrieb
Ein Fünftel der Woche bleibt für das, wofür die Leute eigentlich da sind.

Wir wissen das. Wir machen es trotzdem – weil die Alternative, nichts festzuhalten, schlechter wäre.

02

Warum die Schicht dünner wird

Ein KI-System, das Code schreibt, braucht Confluence nicht in der heutigen Form. Es braucht den Code, die Architektur, die Datenmodelle, die laufenden Tests. Ein KI-System, das Aufgaben koordiniert, braucht kein Ticket mit Story Points und Sprints. Es braucht die Information, was getan werden muss, in einer Form, die das System versteht – nicht der Mensch.

Das heißt nicht, dass alles weg ist. Es heißt: weniger Tickets, weniger Wiki-Seiten, weniger Übersetzungsarbeit zwischen was wir wollen und was wir tun.

Was übrig bleibt

Ein dünner Layer für Menschen, die einen Überblick wollen. Den Rest pflegt das System.

Lesbarkeit für Menschen, die einen Überblick wollen. Ein Dashboard, das zeigt, was läuft – aber das System pflegt es, nicht die Menschen.
Entscheidungsprotokolle. Warum haben wir damals so entschieden? Das brauchen wir weiter, vielleicht sogar mehr.
Schnittstellen nach außen. Wenn der Kunde Jira sehen will, gibt es eine Sicht, die nach Jira aussieht.

Diese Verschiebung ist nicht neu. Wir haben die Art, wie wir Wissen festhalten, schon dreimal gewechselt:

Wie wir Wissen festgehalten haben – und werden
2005
Excel-Liste, lokal
2012
SharePoint-Ordner
2018
Confluence-Spaces
2026
Fragen statt suchen

Was wegfällt, ist der größte Teil: die täglich tausendfache Übersetzung zwischen menschlichem Denken und gemeinsamer Arbeitsfortführung.

Wenn Sie eine Organisation aufgebaut haben, in der Confluence und Jira die zentrale Wissens- und Steuerungsschicht sind, ist diese These ein Angriff auf die Architektur Ihrer Zusammenarbeit. Das ist kein Vorwurf. Es ist die Beobachtung, dass diese Architektur in den nächsten Jahren nicht mehr nötig sein wird – und dass die Organisationen, die das früh akzeptieren, einen Vorteil bekommen.