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Was die meisten meinen, wenn sie ‚KI im Unternehmen' sagen

CoPilot fürs Office, GitHub CoPilot fürs Coding – und dann fehlt der eigentliche Hebel. Warum Tool-Adoption keine KI-Strategie ist.

Die meisten setzen KI auf den letzten Schritt eines Prozesses. Der Hebel liegt woanders – im Wegnehmen ganzer Schritte. So sieht das bei einem realen Angebotsprozess aus:

Prozess Angebot · vorher → nachher
Bedarf verstehen
bleibt
intern abstimmen
entfällt
Konfiguration prüfen
entfällt
Preis rechnen
entfällt
Dokument erzeugen
bleibt
KI auf den letzten Schritt bringt zwanzig Prozent. KI auf den ganzen Prozess halbiert die Durchlaufzeit.

Warum die meisten trotzdem den schwächsten Hebel ziehen, sieht man am schnellsten, wenn man Aufwand gegen Wirkung aufträgt:

Wirkung groß klein
CoPilot in Word
GitHub CoPilot
Reporting-Automation
Prozess-Redesign
klein Aufwand groß

Die Tools links unten sind billig zu haben und ändern wenig. Der eigentliche Hebel sitzt rechts oben: mehr Aufwand, aber eine andere Größenordnung an Wirkung.

„Wir setzen jetzt auch KI ein.” Ich höre den Satz oft – von Geschäftsführerinnen, von IT-Leitern, von HR. Und fast immer heißt er dasselbe: CoPilot ist ausgerollt, GitHub CoPilot ist freigegeben. Das ist nicht falsch. Es ist nur die kleinste denkbare Version.

Was die meisten machen
+15 %
schneller · pro Person · am Arbeitsplatz
CoPilot in Word/Excel schneller tippen
GitHub CoPilot schneller coden
verändert die Arbeitsweise nein
Wo der Hebel liegt
−50 %
Durchlaufzeit · quer durchs Haus
Angebotsprozess halbe Zeit
Reporting −70 %
verändert die Arbeitsweise ja

CoPilot in Word schreibt Sätze, die Sie auch ohne KI geschrieben hätten – nur fünfzehn Minuten schneller. GitHub CoPilot ergänzt Code, den ein erfahrener Entwickler auch ohne KI geschrieben hätte – nur drei Stunden schneller. Beides ist eine Produktivitätshilfe für die einzelne Person an ihrem einzelnen Arbeitsplatz. Es verändert nicht, wie ein Unternehmen arbeitet. Es macht nur die Schritte schneller, die innerhalb der bestehenden Arbeitsweise sowieso passieren.

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Wo der Hebel wirklich liegt

Der eigentliche Hebel liegt dort, wo KI nicht einen Schritt beschleunigt, sondern ganze Schritte überflüssig macht oder zusammenlegt. Das Angebot oben ist das eine Beispiel. Es gibt mehr.

In der Produktentwicklung sind Discovery-Workshops, Spezifikationsphasen und Abstimmungsrunden die größten Zeitfresser. Sie existieren, weil zwischen Geschäft und Umsetzung übersetzt werden muss. Wer KI nur fürs Coding einsetzt, behält die Übersetzungslast. Wer KI in die Übersetzung selbst holt, verändert das Projekt.

Das Reporting ist in vielen Unternehmen ein eigener Vollzeitjob. CoPilot in Excel macht es zehn Prozent schneller. Eine durchdachte Datenarchitektur mit KI-Aggregation macht siebzig Prozent davon überflüssig.

In allen drei Fällen ist die Werkzeug-Frage nicht die schwere.

Schwer ist die Frage: Welche Schritte brauchen wir eigentlich noch?

Genau hier bleiben die meisten KI-Initiativen hängen. Tool-Adoption ist ein IT-Projekt. Welche Schritte brauchen wir eigentlich noch? ist eine Organisationsfrage. Sie geht nicht durch die IT, sondern durch die Geschäftsführung, die mittlere Führungsebene, die Teams, die die Prozesse seit Jahren leben. Und – das ist der harte Teil – sie greift in Rollen, Verantwortlichkeiten und Karrieren ein.

Wer das Prozessdesign verändert, verändert auch, wer was tut. Das ist unbequem. Es ist auch der Grund, warum CoPilot im Office Konsens findet und der eigentliche Hebel nicht.