Zustimmen ist nicht entscheiden
Digitalisierungsprojekte scheitern selten laut. Sie laufen in freundlichen Terminen aus, in denen alle zustimmen und niemand entscheidet. Woran das liegt – und was Sie in Ihrem Betrieb stattdessen verlangen sollten.
Ich habe kürzlich einen Betrieb aus der Nähe gesehen, dessen Digitalisierungsprojekt über Monate ausgelaufen ist. Kein Streit, kein Abbruch. Es gab viele Termine, und am Ende war nichts fertig, mit dem jemand hätte arbeiten können.
An der Software lag es nicht. Am Bedarf auch nicht. Am Willen schon gar nicht – der Betrieb hatte zur Förderung sogar noch eigenes Geld nachgelegt. Trotzdem wird dort heute gearbeitet wie vor dem Projekt.
Irgendwann heißt es, das Geld ist leider aus. Das klingt nach einer Erklärung, aber ist keine.
Als ich genauer hingeschaut habe, fiel mir auf, dass in all den Terminen viel zugestimmt und wenig entschieden wurde. Das ist kein Zufall. Das liegt daran, worüber man geredet hat.
Zustimmen ist nicht entscheiden
In den meisten Projekten liegt am Anfang ein Konzept auf dem Tisch. Eine Präsentation, ein Pflichtenheft, ein Foliensatz. Man geht es gemeinsam durch, nickt, hakt ab. Das fühlt sich nach Fortschritt an.
Ist es aber nicht. Denn zu einem Konzept kann man nur eines tun.
An einem Konzept kann niemand sehen, ob es das ist, was er wollte. Man kann ihm nur zustimmen.
Zustimmung ist billig. Sie kostet im Termin nichts, sie verpflichtet zu nichts, und sie fühlt sich trotzdem an wie eine Entscheidung. Jeder kann seinen Teil abgehakt haben, und am Ende steht nichts, das man in die Hand nehmen könnte. Entscheiden lässt sich erst an etwas, das da ist.
Auch Ihre Leute stimmen nur zu
Das Gleiche passiert eine Ebene tiefer, bei den Menschen, die nachher damit arbeiten sollen. Ihnen wird der Pilot vorgeführt, sie nicken, und dann bleibt trotzdem alles beim Alten.
Hat dem System zugestimmt – und fährt weiter die Route, die er kennt.
Fand den Entwurf gut – und schreibt die Antwort weiter selbst.
Nickte zur Prognose – und plant weiter nach Erfahrung.
Auch das ist Zustimmung, nicht Entscheidung. Wer eine Aufgabe seit zwanzig Jahren macht, kann an einer Vorführung nicht sehen, was aus seiner Arbeit wird. Er kann höflich nicken und danach die Frage für sich beantworten, die niemand laut stellt: was wird aus mir, wenn das läuft. Solange er darauf nur eine Präsentation als Antwort hat, bleibt er beim Alten.
Verlangen Sie etwas, das läuft
Deshalb fange ich nicht mit einem Konzept an, sondern mit laufender Software. Nach zwei bis drei Wochen gibt es etwas, das man aufmacht und benutzt – oder eben nicht.
An etwas Anklickbarem sehen Sie, ob es das Richtige ist – und Ihre Leute sehen, was aus ihrer Arbeit wird. Aus Zustimmen wird Entscheiden.
Für Sie als Betrieb verschiebt das den ganzen Charakter des Projekts. Sie stimmen nicht mehr einer Idee zu, von der Sie hoffen, dass sie stimmt. Sie entscheiden an etwas Konkretem, ob es weitergeht, was fehlt und was anders muss. Für den Menschen an der Werkbank wird aus „was wird aus mir?” ein „das nimmt mir den Teil ab, den ich ohnehin nicht mochte – den Rest mache weiter ich”. Das ist kein Versprechen mehr, das ist sichtbar.